Politik-Gesetz

1946 erließ der Alliierte Kontrollrat im Gesetz Nr.23, daß alle Anlagen, die als militärische Anlagen zu bezeichnen sind, geschleift werden sollen, sofern sie nicht für alliierte Zwecke benötigt würden. An diese Aufgabe ging man im sowjetisch kontrollierten Sektor forscher heran, als in den anderen drei Sektoren. (Neue Zeit 1946; Das Ende der Berliner Bunker). Als militärisch nutzbare Bauten, die generell zu beseitigen waren - selbst gegen dringende Bitten - wurden auch Bunker unterschiedlichster Bauart gewertet, die im Bewußtsein der Bevölkerung als solche nicht mehr angesehen wurden. Um den Abriß von diesen Bunkern zu vermeiden, die aus Gründen der Raumnot großen Anklang in ihren neuen notzivilen Nutzungen gefunden hatten, gingen einige Städte den Weg, soweit es sich um Hochbunker handelte, diese für den eigentlichen Zweck durch Einsprengen großer Fensteröffnungen unbrauchbar zu machen (Neue Bauwelt Heft 45/1948).

Vom britischen Hohen Komissar Steel wird der Bundeskanzler 1950 davon in Kenntnis gesetzt, daß unter anderem keine Bunker und Luftschutzanlagen mehr gesprengt werden, da in der britischen Zone keine Demontagen mehr vorgenommen werden sollen (Neue Bauwelt Heft 40/1950).
Erst 1965 erteilte die Alliierte Kommandatur in Berlin wegen technischer Probleme im Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 1.432 den Auftrag, noch vorhandene Bunker für Zivilschutzmaßnahmen wiederherzurichten (Taz 26. 8. 1982). Damit galt in Berlin an Stelle des Bundes Zivilverteidigungsrechtes die Berliner Kommandaturorder. Am 9. September 1965 wurde das Schutzbaugesetz - "Gesetz über bauliche Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung" - "zum Schutz lebens- und verteidigungswichtiger Anlagen und Einrichtungen" erlassen. Bei Anerkennung als Zivilschutzraum gilt laut Baulicher Richtlinie des Bundesamtes für Zivilschutz: Die Schutzräume müssen binnen weniger Stunden für extreme Notfälle, das meint friedensmäßige Katastrophen, nutzbar sein. Dringend notwendige Umbauten für zwischenzeitliche Fremdnutzung, wie der Chemietoiletten im Bunker Pallasstraße, die nur mit Vorhängen abgetrennt waren, sind nach dieser Gesetzeslage nicht statthaft. Bevor solche Anlagen zweckentfremdet genutzt werden können, müssen sie entwidmet werden. Die Entscheidung darüber trifft der Bundesinnenminister.

Die baupolitische Sprecherin des Bündnis 90/Grüne richtete am 13. März 1995 eine kleine Anfrage an das Berliner Abgeordnetenhaus zur Nutzung Berliner Bunker. Die Antwort Dr. Stimmanns von der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen vom 14. April 1995 umfaßte im wesentlichen nur die als Mehrzweck- oder Zivilschutzanlagen genutzten 15 Anlagen im ehemaligen Westteil der Stadt, da die 7 Schutzräume im ehemaligen Ostteil in jenem Monat auf ihren Gebrauchswert geprüft wurden.
Die Verwaltung und Unterhaltung der öffentlichen Schutzräume obliegt den Bezirken "gemäß DVO-ASOG §17 Nr.7 als Ordnungsaufgabe" (Antwort auf die kleine Anfrage Nr.6538 vom 13. 3. 1995; Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen). Dementsprechend verfügen auch die jeweiligen Bezirksämter über mögliche Vermietung und soweit vorhanden auch über Bauakten dieser Bunker. Von der Senatsbauverwaltung wurde den Bezirksämtern empfohlen, die Schutzanlagen durch Nutzungsverträge und damit Wartung und Betrieb an Firmen und Investoren abzugeben.
Befinden sich diese Schutzanlagen auf Bundeseigentum, von den sieben im Osten Berlins zum Beispiel sind das nur drei, ist dafür das Bundesministerium des Inneren zuständig, wobei die Verwaltung von der Oberfinanzdirektion übernommen wird. Der durch notwendig werdende Instandsetzungen oder Sicherungsmaßnahmen jährlich unterschiedliche Bedarf wird aus dem Bundeshaushalt Kapitel 3604, Titel 53263 übertragen. Das Land Berlin setzt für die öffentlichen Schutzanlagen keine Mittel ein (Antwort auf die kleine Anfrage Nr.6538 vom 13. 3. 1995; Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen).

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oben: Tote in einem Luftschutzkeller in Dresden
unten: 2achsigerTypenentwurf für Sitzplätze
Pro Jahr werden für die Berliner Bunkeranlagen rund 300.000DM an Unterhaltskosten ausgegeben (Tagesspiegel vom 3. 4. 1995). Die Senatsbauverwaltung gibt für die Bewirtschaftung, Wartung und Inspektion ohne Instandsetzungs- und Sicherungsmaßnahmen der 15 westlichen Mehrzweck- und Zivilschutzanlagen jährlich 73.650,30DM an.
Da die Verwaltung der Schutzanlagen in unterschiedlicher Zuständigkeit liegt und damit Angaben ameisenhaft zusammengetragen werden müssen, differieren die in der Presse veröffentlichten Zahlen immer wieder. Die Berliner Morgenpost vom 5. 9. 1984 kennt 78 existente LS-Bunker, von denen 45 für den Zivilschutz instandsetzungswürdig sind, während die Taz zwei Jahre vorher am 26. 8. 1982 95 LS-Bunker behauptet. Im Ernstfall sind für etwa 3,5 Millionen Berliner 18 Schutzanlagen mit 29.091 Plätzen vorhanden, schreibt die Berliner Morgenpost am 13. 2.1995 und insgesamt 24.141 Schutzplätze, im Schnitt für eine Verweildauer von 24 Stunden der Tagesspiegel vom 3. 4. 1995.
Die Auflistung öffentlicher Schutzräume und der Schutzplatzanzahl der Senatsverwaltung zählt 26.691 Plätze in 22 Anlagen.


Liste-Bunker
Charlottenburg
Charlottenburger Chaussee 15-17 eingeschossiger Tiefbunker [2;x; -L-]
Auf dem Grundstück Franklinstraße 29 der Technischen Hochschule sollte noch 1940 ein Luftschutzhotel, als sogenannter Sonderbau errichtet werden. Diesem Vorhaben wurde nicht stattgegeben (Landesarchiv Berlin Pr.Br.Rep.42 Acc.2003).
Die Schutzanlage
Grolmannstraße 48, die mit circa 385 Plätze für 14 Tage geplant war, blieb Bauvorhaben (Mieter Magazin Januar 1987).
Kamminer Straße 17-19 eingeschossiger Tiefbunker [13; x; -L-]
Im Rahmen der 750Jahr-Feier wurde der Tiefbunker
Klausener Platz (ehemals Friedrich Karl Platz) im Dezember 1986 abgerissen, um die Grünanlage wiederherzustellen. Man hatte sich außerdem für den Abriß des 32*38m großen und 2m aus dem Gelände ragenden Bunkers entschieden, der wegen Rissen aus versuchten Sprengungen durch Alliierte nicht mehr herzurichten war (Tagesspiegel 11.12.1986, 17.10.1986).
Unter dem Ku´dammKarree
Uhlandstraße 30/32 werden die 3.592 Plätze für 14 Tage Verweildauer der Mehrzweckanlage als Tiefgarage genutzt.

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Liste der Schutzbauwerke
Friedrichshain
Der zwischen 1940 und 1942 errichtete Flakbunker im Friedrichshain, ebenfalls mit einem nordöstlich von ihm stehenden Leitbunker ausgestattet, wurde 1946 nach seiner Sprengung als einziger vollständig "verschüttet".
Etwa 50.000 Menschen konnte der Bunker aufnehmen. Ein größerer Teil des Bunkers war während des Krieges für Kunstgegenstände der Nationalgalerie und Teile des Staatsarchives freigemacht worden. Mit deren Einlagerung fing man am 11. Januar 1942 an. Am 11. März 1945 begann der Abtransport der Kunstgegenstände, wobei nur sechs Transporte abgefertigt werden konnten (Irene Kühnel-Kunze; Bergung - Evakuierung - Rückführung. Die Berliner Museen in den Jahren 1939 – 1959; Berlin 1984). Am 2. Mai 1945 wurde der Bunker unversehrt übergeben und schon im Sommer erfolgte die Räumung mit dem Abtransport der Einrichtung und Anlagen. Planungen hatten den Flakturm noch als Krankenhaus vorgesehen – Teile des Inventars waren bereits dorthingebracht – als Anfang 1946 die Entscheidung fiel, die "Verteidigungsanlage" zu schleifen (Der Kurier 13. 3. 1946).
In der Virchowstraße 5 befindet sich ein bis 1989 als Zivilschutzanlage genutzer Tiefbunker mit rund 250 Plätzen. Er ist einer der wenigen im Zusammenhang mit den Krankenhäusern erhaltenen Luftschutzbunkern in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone (Neue Zeit 12. 11. 1946).
Für den Hochbunker auf dem Gelände des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) Stenzer hat der Berliner Unterwelten e.V. bisher vergeblich – zuletzt mit Antrag vom 11. August 2003 – versucht den Denkmalsschutz zu beantragen. Der Zombeck-Turm ist mittlerweile der einzige seiner Bauart in Berlin.

Hohenschönhausen
Der Tiefbunker in der Große Leege Straße 103 mit 250 Plätzen wurde 1994 übernommen.

Köpenick
In der Walchenseestraße 30 befindet sich ein Tiefbunker mit 350 Plätzen.

Kreuzberg
Der vom Bezirksamt Kreuzberg derzeit vermietete Hochbunker am Anhalter Bahnhof (Schöneberger Straße/Bahnhofstraße 2a) bot nicht nur den Bewohnern der umliegenden Häuser Schutz, sondern wurde auch als Kriegs-Lazarett genutzt (Karen Meyer; Die Flutung des Berliner S-Bahn-Tunnels. Rekonstruktion und Legenden; Berlin 1992).
Fichtestraße 4-12 viergeschossiger Hochbunker mit zwei Kellergeschossen [7; x; H,><]
Der Bunker befindet sich in einem der vier Gasometer in der Fichtestraße, die ab 1826 von der englischen Imperial Continental Gas Association errichtet wurden.

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oben: Ruine des Flakbunkers Friedrichshain zu Beginn der Verschüttung
mitte: Hochbunker der Reichsbahn am Anhalter Bahnhof
unten: Bunker im Gasometer Fichtestraße
Dies geschah im Rahmen des Auftrages der Stadt Berlin, alle Straßen und Plätze innerhalb der Stadtmauer bis 1846 zu beleuchten. Mit der Modernisierung dieses Komplexes baute man 1876 nach Plänen des Geheimen Oberbaurates Schwedler, angelehnt an den "Rundkirchen"- Typenentwurf von Karl Friedrich Schinkel für Oranienburger Vorstadt, den Gasspeicher. Er stand damals noch außerhalb der Akzisemauer in der Nachbarschaft von Schießständen und Kegelbahnen.
Der Mauerwerkszylinder besitzt einen Innendurchmesser von 54,60m und eine Gesamthöhe von 22,20m. Die Scheitelhöhe der Kuppel beträgt 12,24m und einen Durchmesser von 54,92m. Ausführung und Detailierung des Mauerwerkes und der ingenieursmäßigen Kuppelkonstruktion basieren auf handwerklichen Regeln Schinkels. Die Kuppel aus Schmiedeeisen wurde erst durch die Erfindung Schwedlers realisierbar und seit 1864 für die Überdachung von Gasbehältern obligatorisch.

1941 begannen die Bausausführungen zum Projekt 103 durch die Baugruppe Wilhelmi im Rahmen des Bunkerbauprogrammes. Unter der Leitung von Dr. Kupferschmidt betonierte die Luz Bau GmbH in den Mauerwerksring einen Mutter-und Kindbunker, in den nur Familien einlaßberechtigt waren. Der Bau erhielt 1,80m dicke Wände und eine drei Meter starke oberste Betondecke. In 1.500 fensterlosen Räumen von der Größe eines Zugabteils mit jeweils zwei doppelstöckigen Betten bot er oft mehr als 6.000 Menschen Schutz. Auf den kreisförmigen Raum im Zentrum laufen die Gänge sternförmig zu und gliedern die drei konzentrischen Ringe der Geschosse in fünf Segmente. Fünf Treppenhäuser, denen jeweils Eingangsbauwerke mit Splitterschutzwänden und Gasschleuse zugeordnet waren, erschlossen die sechs Stockwerke.
Mit neunhundert Kabinen und etwa zwanzig elektrischen Küchen diente der Bunker dann 1946 als Unterbringung für ein Flüchtlingslager mit Schule und in seinen Untergeschossen über einen separaten Eingang als Untersuchungsgefängnis beziehungsweise Jugendarrestanstalt. Täglich mußte der Bau 1.600 Flüchtlinge fassen. 1947 war er Mädchen- und Lehrlingswohnheim.
Bis in die 50er Jahre blieb der ehemalige Luftschutzbunker Unterbringungsort für Vertriebene, später Aussiedler und Obdachlose. Nach der Errichtung der Berliner Mauer wurde er, und blieb es bis Mitte 1988, eines von 700 Notbevorratungslagern. Wegen Auflagen der Bauaufsicht hinsichtlich der Fluchtwege im Brandfall wird das Lager dann endgültig aufgegeben, obwohl man seit 1984 daran laboriert hatte. Umbaumaßnahmen waren aber mit einer ins Auge gefaßten Nutzung für den Zivilschutz unvereinbar.
Neben der Forderung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Kreuzberg vom 22. Juni 1978 existieren auch Pläne des Senats für kulturelle Angelegenheiten, nach Instandsetzung den schalldichten Bunker für Übungsräume Berliner Musiker freizugeben oder nach Verglasung der Kuppel das Tempodrom hier unterzubringen. In Folge der Forderungen der BVV erstellen die Architekten Frohwein und Spangenberg im September 1979 eine "Grundlagenermittlung für Umbau und Umnutzung des ehemaligen Fichtebunkers zu einem Zentrum für kulturelle Aktivitäten in und für Kreuzberg".

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oben: Rundkirchenentwurf Karl Friedrich Schinkels
mitte: Ansicht des ursprünglichen Gasometers
unten: Querriß des gebauten Bunkerprojektes
Dieses Kulturzentrum sollte neben der Verknüpfung mit dem Künstlerhaus Bethanien eine Ergänzung zum Bildungszentrum Blücherstraße bilden.
Durch die Sprengung gleichartiger Gasometer in der Sellerstraße im Wedding und auf dem Areal zwischen Prenzlauer Allee und Danziger Straße (ehemals Dimitroffstraße) ist das Gasometer zudem mit dem Einbau eines Luftschutzhochbunkers das letzte noch existierende Beispiel seiner Art in Berlin. Sein Abriß war schon einmal durch die Straßenplanung des 1979 gültigen Flächennutzungsplanes vorgesehen, in dem über das Gelände die vierspurige Osttangente zum Autobahnkreuz Oranienplatz führte.
Der mehrgeschossige Bunker Friesenstraße auf dem Gelände des Polizeipräsidiums wurde im März 1951 durch Sprengung beseitigt.
Güstener Straße 2 (umbenannt) dreigeschossiger Hochbunker mit zwei Untergeschossen [11; 0; ­, ><]
Hallesches Ufer 78 eingeschossiger Hochbunker mit zwei Untergeschossen
[80; 0; Š]
Mehringdamm 1-3 eingeschossiger Tiefbunker [15; N 3].
Diese Luftschutzanlage befindet sich mittlerweile inmitten des Friedhofes, an dessen Rande sie einmal errichtet worden war.
Moritzplatz eingeschossiger Tiefbunker [16; x; -L-]
Im Excelsior-Gebäude Stresemannstraße 68/76 befindet sich ebenfalls eine Mehrzweckanlage, als Tiefgarage genutzt, die 3.102 Personen für 14 Tage Schutz bieten soll.
Das Bauvorhaben 1986/87: Stresemannstraße 90-102, über dem S-Bahn Tunnel, wurde vom 16.-23. August 1987 durch das Projekt "Bunker International" der Öffentlichkeit kurzfristig zugänglich gemacht. Im 1935 erbauten und fast zufällig wiederentdeckten Bunker mit 26 Räumen nahm man minimale Eingriffe mit Leuchtfarbe vor, die die Beklemmung in unterirdischen Räumen spürbar werden ließ (Bunker International - Amerika Gedenkbibliothek Berlin B362/127). Angeregt wurde diese Idee durch die Kennzeichnungsanordnung bei Lichtausfall (Landesarchiv Berlin Pr.Br.Rep.42 Acc.2008).
Urbanstraße 47/Hasenheide 22 eingeschossiger Hochbunker [23; x; -L-]
Der sich unter dem Viktoria Park befindende Bunkerkomplex wurde 1942/ 1944 unter der Leitung des Magistratsbaurates Weber von der Organisation Todt gebaut. Im Zusammenhang mit der Entdeckung des "Betonlabyrinthes rund um das Schinkeldenkmal" vermutete man auch, den Gerüchten um die unterirdische Straße vom Führerbunker zum Flughafen Tempelhof auf den Grund gehen zu können. Sie war angeblich groß genug für kleinere Autos als letzter Fluchtweg Hitlers von der Organisation Todt gebaut worden (Die Welt 1. 12. 1983).

Lichtenberg
An der Grünanlage Alfred Kowalke Straße befindet sich ein Tiefbunker mit etwa 1.000 Plätzen.

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Erdgeschosse Bunker und Kulturzentrum

oben: Erdgeschoß des Bunkerprojektes
unten: Erdgeschoß des Gutachtens zum Kulturzentrum
Der Tiefbunker Franz Jacob Straße faßt rund 200 Personen.
Auf dem Gelände der Kaserne Zwieseler Straße steht ein dreigeschossiger, zweiachsiger Bunker, der in Berlin mehrfach errichtet wurde. Seine Merkmale sind das vortretende dicke Gewände der Eingänge, ein flachgeneigtes Walmdach, das von einer kräftigen Traufe auf abgerundeten Konsolen getragen wird.

Mitte
Für den Hochbunker Albrechtstraße 24/25 Reinhardtstraße 20 (ehemals Karlstraße 32/33) wurden drei Wohnhäuser abgeräumt. Das etwa 16,50m hohe und 38,80m lange Bauwerk mit quadratischem Grundriß, freistehend auf der Blockecke errichtet ist der einzige erhaltene vierachsige Hochbunker in Berlin. Seit Inkrafttreten des Denkmalsschutzgesetzes am 7. Mai 1995 steht der Luftschutzbunker als "Zeugnis nazistischer Architektur" nach §2 Absatz 2 des Listengesetzes unter Denkmalsschutz. Begründet wurde der Wert des etwa 1943 errichteten Gebäudes wie folgt:
Der Bunker wirkt mit seiner lagerhaften Geschlossenheit in den Straßen Schumannstraße, Albrechtstraße und Reinhardtstraße als stadträumliche Dominanz. Der monolithische Block weist in der Fassadengestaltung und seiner Grundrißgliederung eine klare Symmetrie, in Tradition florentinischer Stadtpaläste auf. Die schroffe unverputzte Oberfläche des Äußeren vermeidet im Stile des Festungsbaues des 17. Jahrhundertes Feinheiten der Details. Vorbilder waren eventuell um 1930 errichtete Bunker in Wien und Neapel. (nach der Denkmalsbegründung der unteren Denkmalsbehörde Berlin Mitte)
Die Erschließung des Bunkers mit vier Treppenhäusern, die jeweils zwei gegeneinander versetzte Läufe aufweisen, ermöglichte ein reibungsloses Betreten und Verlassen des Schutzbauwerkes. Jede Treppe bedient ein Achtel der Geschossfläche. Der Tatsache, daß die Bevölkerung mehr Sitz- als Liegemöglichkeiten verlangte, ist in diesem Bunker voll Rechnung getragen worden. Die Fläche im Innern ist in relativ große Räume gegliedert, die eindeutig nicht für eine Teilung in Zellen mit Betten vorgesehen waren. Nebenräume, wie man sie für eine etwaige Befehlsstelle, Sanitärräume, Heizung, Lüftung oder Garderobe benötigte, fanden in jedem Geschoss in den Gebäudeecken zwischen den Treppenhäusern Platz.
Wie in den Bestimmungen zum Bau von Luftschutzbunkern gewünscht, drückt das Äußere mit den wenigen Gestaltungen Schutzwirkung aus. Die Oberfläche ist als unbehandelter Sichtbeton mit den Spuren der Bretterschalung belassen worden. Interessant ist dabei das aufrechte Verwenden des Schalholzes, welches dadurch trotz Gratbildung einfach entfernt werden konnte. Als Zierde treten das mehrfach profilierte Gesims, getragen von kräftigen, kantigen Konsolen, die Bossierung der Splitterschutzschleusen und die Fensterlaibungen auf. Das einen knappen Meter hervortretende Simsband entspricht eigentlich nicht den Forderungen nach Vermeidung von Kanten, die das Abgleiten von Bomben verhindern könnten.

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Bunker Albrechtstraße

oben: Bunker in der Albrechtstraße von Südosten
mitte: Beschädtigte Lüftungsöffnungen an der Südfassade
unten: Detail des Gesimses
Die Fenstergewände mit Scharrierung scheinen als Fertigelemente aus Stahlbeton als verlorene Schalung eingesetzt worden zu sein. Die Wände haben eine Dicke von 1,80m, was zumindest den Forderungen an Bunker mit maximal 1.000 Plätzen von 1939 entspricht und eine Dachdicke von mehr als 3,00m. Der Bunker dürfte bei Ausrüstung mit Sitzplätzen mindestens 1.500 Menschen Schutz geboten haben. Daraus hätten sich nach den Forderungen von 1941 eine Wand- und Deckenstärke von 2,50m ergeben. Die schmalen Zugänge von den Treppen in den Innenraum mit 90cm Weite, nach den Richtlinien von 1939 nur zulässig bis 125 Personen, waren wegen der feinverteilenden Erschließung möglich. Je nach Größe der Aborte, dürften sich maximal 10 bis 12 je Geschoß befunden haben, nach den Normen völlig ausreichend. Die Belüftung erfolgte durch Öffnungen, die unterhalb des Gesimses, zwischen den Konsolen liegend, verdeckt sind.
Unterlagen aus der Zeit bis 1981 existieren in der Grundstücksakte Albrechtstraße 24/25 des Bauamtes Berlin Mitte nicht. Ein Typenentwurf für einen vierachsigen Bunker, gezeichnet von Paul Bonatz für die Generalbauleitung, ist bisher die einzige planerische Unterlage, entspricht aber in keinem Punkt dem Luftschutzbau Albrechtstraße.
( Eine Überprüfung der Unterschrift mit anderen Dokumenten im Jahr 2003 zeigt, daß hier nicht Paul sondern sein jüngerer Bruder Karl Bonatz gezeichnet hat. Karl Bonatz war in der Behörde des Generalbauinspektors für Berlin (GBI) als "Bunkerbaurat" apostrophiert worden.)
Ab Mitte der 50er Jahre nutzte der Volkseigene Betrieb Obst Gemüse Speisekartoffeln den Bunker als Frischgemüse Langzeitlager.
Vorher diente er wie viele andere Berliner Luftschutzbauwerke als Haftanstalt. Damit könnte etwas später der Anbau des Aufzuges und im April 1981 die endgültige Rampe mit Überdachung gefolgt sein.
Der Bauantrag für die Rampe ist als einziger im Bauamt dokumentiert.
Interessant ist der Aufwand, den man bei Anbau des Aufzugsturmes an die Nordwestecke trieb. Zwar sind nur zwei Konsolen zur Westseite nachgebildet, aber sonst ist die gesamte Profilierung des Gesimses und der Attika auch für den Aufzugskopf nachgeführt worden. Diese Tatsachen scheinen fast auf die gleichzeitige Ausführung mit dem Bau des Bunkers hinzudeuten. Wenn dies der Fall wäre, bestätigte das die Berechtigung des Denkmalwertes zusätzlich. Hatte man doch aus Kostengründen vom Einbau von Aufzügen in Hochbunker abgesehen, mit der Begründung alte und gebrechliche Menschen könnten in den unteren Geschossen untergebracht werden, womit sich Aufzüge erübrigten (Militärarchiv Freiburg RL4/354).
Der Verputz des Aufzugsturmes ist ebenfalls nicht endgültiger Beweis für einen späteren Anbau, da er an dem unteren Profil des Gesimses solcherart anschließt, das seine Oberfläche mit der über dem querrechteckigen Abschluß liegenden Profilfläche bündig ist. An den sonstigen Sichtbetonwänden existiert hier ein Unterschied von etwa 6cm. Über dem Putz, also am Kopf des Aufzugturmes, ist dann wieder Stahlbeton sichtbar, der, nach erstem Augenschein, die gleich alte verwitterte Oberfläche hat, wie die übrigen Bunkerwände. Diese Tatsachen lassen sich aber durch folgendes erklären: Die zeitliche Differenz zwischen den Errichtungsdaten von Bunker und Aufzug beträgt maximal 13 Jahre, wenn für den Bunker der Erstellungszeitraum 1941 bis 1943 und für den Aufzug 1953 bis 1956 angenommen wird.

Durch den Abbruch des Aufzuges im September 2003 ist sichtbar geworden, daž es sich um einen nachträglichen Anbau handelte. Luftaufnahmen der 40er Jahre legten dies ebenfalls nahe. Der Schacht des Aufzuges war gemauert und verdeckte jetzt wieder sichtbare Lüftungsöffnungen.
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Aufzugskopf Bunker Albrechtstraße

Aufzugskopf am Bunker Albrechtstraße
Bis zum heutigen Jahr sind das nocheinmal 40 Jahre, womit der gleichartige Oberflächenzustand möglich ist. Wurden zudem für die jeweils verwandten Betone Zuschlagstoffe aus den gleichen Quellen genommen, für Berlin war das bezüglich der Zemente Rüdersdorf, das für den Ostteil Berlins Abbauort blieb, so kann eine hohe Ähnlichkeit in der Farbigkeit und dem Verhalten des Baustoffgemisches erzielt werden. Nicht zuletzt ist es kaum auszuschließen, daß nicht sogar die gleiche Firma mit dem Anbau des Aufzuges beauftragt wurde, die auch schon an der Errichtung des Bunkers beteiligt war. Der den Grundriß eminent störende Fahrstuhl wurde dann wahrscheinlich nachträglich verputzt, als er an die Rampe, die erst 1981 entstand, angeschlossen werden mußte.
Im März 1992 mietete die Gesellschaft für Kunst und Technologie den Bunker von dem nun zuständigen Verwalter, der Oberfinanzdirektion Berlin. Sie betreibt den Bunker durch die Weitervermietung von Flächen für Probenräume, Ausstellungen und Galerien und durch eigene Tanzveranstaltungen im Bunker selbst und eine Bar und Veranstaltungen in den angebauten Nebenräumen.

Alexanderplatz. Quer unter der Kreuzung zwischen dem Haus des Lehrers, dem Haus des Reisens und den U-Bahnschächten der Linien U2 und U5 wurde der dreigeschossige Bunker mit 2.508m2 und Plätzen für bis zu 3.000 Menschen 15m unter dem Platz 1930 gebaut. In der DDR wurde in dem nie genutzten, streng geheimen Objekt der Zivilverteidigung lediglich die Zimmeraufteilung verändert.
Mittlerweile ist auch hier der Wissensstand um die Baugeschichte durch Veröffentlichungen für den Berliner Unterwelten e.V. überarbeitet.
Zwischen 1941 und 1943 betonierte die Philipp Holzmann AG im Auftrag der Deutschen Reichsbahn diese öffentliche Luftschutzanlage. Für den Einbau nutzte man den freigebliebenen Bereich des Fundamentblockes für den geplanten "Hahn-Block". Ab 1930 hatte hier nach Plänen von Peter Behrens ein drittes Hochhaus entstehen sollen, 1933 beabsichtigte man ein "Haus der Arbeit" und erst 1939 begann der Bau des Arbeitsamtes Mitte, der aber weiter nordöstlich vom Alexanderplatz begonnen wurde. (Berliner Unterwelten e.V. Schattenwelt 2/ 2004)

Die Betreibergesellschaft Alex-Bunker der Firmen City-Projekt und Viadukt, die in die Grundreinigung des Luftschutzbunkers 2Mio DM investierten, lobten im 2. Quartal 1993 einen Studentischen Ideenwettbewerb aus, dessen Ideen bisher nur ausgestellt wurden. Das Bezirksamt Mitte gab den Unternehmern Daniel Fink und Knut Herbst dreijährige Nutzungsrechte (Bauträgergesellschaft Viadukt gegründet für die Sanierung und Nutzung der S-Bahnbögen; Firma City-Projekt, Inhaber des Restaurantkette Deponie). Sie planten ein "Fun-Land" auf 3.000m2, das 1994 eröffnet werden sollte (Tagesspiegel 11. 11. 1993, Die Welt 11. 11. 1993, Berliner Zeitung 11. 11. 1993).

Auf dem Charitégelände wurden zwischen 1940 und 1942 drei Tiefbunker, davon zwei zu Operationszwecken, errichtet. Bunker 72 befand sich direkt an der Invalidenstraße 52, Bunker 71 in der Nähe des Robert Koch Platzes und Bunker 69 (Schumannstraße 21) in der Grünanlage mitten auf dem Areal des Klinikums.
In die Dreifaltigkeitskirche, die zur Erweiterung der Friedrichstadt 1737/ 1739 auf der Dreiecksfläche zwischen Mauer-, Mohren- und Kanonierstraße (heute Glinkastraße) erbaut worden war, fügte man 1943 ebenfalls einen Bunker, nachdem sie durch Zerstörung nicht mehr genutzt werden konnte. Dieser Bunker diente der Gauleitung der NSDAP.
Unter dem Koppenplatz befanden sich zwei kleinere Tiefbunker, aus der Zeit vor 1940, die im letzten Halbjahr 1995 im Zuge der Platzneugestaltung abgeräumt wurden.

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oben: Kirchengrundriß
unten: Bunker in der Dreifaltigkeitskirche
An der Ecke Leipziger Straße und Wilhelmstraße befand sich als öffentlicher Schutzraum der eingeschossige Bunker des ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums. Dieser wurde im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten zum Umbau für das Bundesministerium der Finanzen abgebrochen.Die Luftschutzanlage hatte zwei öffentliche Eingänge: einer vom Flügel an der Leipziger Straße und einer von den Arkaden an der Wilhelmstraße. Im Untergeschoß entlang der Leipziger Straße, wie auch im Gebäude entlang der Wilhelmstraße waren weitere Schutzräume für das personal des Ministeriums untergebracht. Auf Grund der Gebäudetiefe von circa 25 bis 28 Metern war die Anlage in drei Zonen mit zwei parallelen Gängen gegliedert. 8 Schutzräume und eine Station für Leicht- und Schwerverletzte mit zusätzlichem Zugang aus dem Gebäudeteil entlang der Wilhelmstraße wurden von zwei Filteranlagen mit Luft versorgt. Für die Anlage wurde eine Belegung von 303 Personen in den Räumen und 100 Personen in den 2 Meter breiten Fluren kalkuliert.
In den zwanziger Jahren sollte im Bereich unter der Littenstraße der geplante U-Bahnhof Waisenstraße entstehen. 1928 existiert eine unterirdische Anlage mit vielen kleinen Räumen, die bis 1945 als Luftschutzbunker genutzt wurde. 1955 bis 1960 wurden Champignons gezüchtet und danach alle Zugänge zugemauert. Laut Grundbuch verfügte das Ostberliner Stadtarchiv über die Räume (Tagesspiegel 25.05.1992), einen circa 250m langen Tunnel mit 100 Zellen (Berliner Morgenpost 07.05.1991).
Das Kellergeschoß des damals nicht fertiggestellten Gebäudes der Augenklinik
Monbijoustraße (ehemalige Harwickstraße) wurde 1942 als behelfsmäßiger Luftschutzbunker hergerichtet. Vorteilhaft war seine Lage in unmittelbarer Nähe zum Kreißbunker der Universitätsfrauenklinik, mit dem er über einen Tunnel verbunden war (Landesarchiv Berlin Pr.Br.Rep.42 Acc.1452).
In der
Ziegelstraße 10/11 befand sich der für die Universitätsfrauenklinik errichtete Operationsbunker. Er entstand 1941 nach den Plänen des Ingenieurs Hesse der Luftschutzbaugruppe Stachowitz, Bauleitung Nord.

Neukölln
Aronstraße/ Dieselstraße – siehe ehemals Sackführerdamm
Boschweg 8 eingeschossiger Tiefbunker [64; 0]
Buchsbaumweg 23 eingeschossiger Tiefbunker [56; 0]
Buckower Damm/Steinträgerweg 15 eingeschossiger Tiefbunker [49; 0; ><]
Buckower Damm/Zimmererweg 6 eingeschossiger Tiefbunker [50; 0]
Buschkrugallee 175 eingeschossiger Tiefbunker [65; 0; ><]
Dammweg 214 eingeschossiger Tiefbunker [66; 0]
Groß Ziethener Chaussee 33 eingeschossiger Tiefbunker [58; 0]
Krokusstraße 69/71 eingeschossiger Tiefbunker [57; 0]
Landreiterweg 14 eingeschossiger Tiefbunker [48; 0]
Lettberger Straße 35/37 eingeschossiger Tiefbunker [45; 0]
Männertreuweg 15 eingeschossiger Tiefbunker [47; 0]
Massiner Weg 100 eingeschossiger Tiefbunker [52; 0]
Der Luftschutzbunker Massiner Weg wurde 1985 wiederinstandgesetzt und als Zivilschutzanlage mit 350 Plätzen, die auf eine Verweilzeit von 10 Stunden ausgelegt sind, übernommen.
N(?)(1Š)rr(2Š,na?)rm(?)straße 129/127 eingeschossiger Tiefbunker [59; 0]
(Anm. des Autors: Dieser Eintrag ist leider so unlesbar, wie ich ihn versucht habe hier wiederzugeben.)
Neuköllner Straße 278 eingeschossiger Tiefbunker [62; 0]
Neuköllnische Allee 6-8 eingeschossiger Tiefbunker [61; 0]
Ortolanweg/Grüner Weg eingeschossiger Tiefbunker [63; 0]
Ortolanweg/Kolkrabenweg eingeschossiger Hochbunker [17; N 4]
Ostburger Weg eingeschossiger Hochbunker [46; 0]
Otto Wels Ring 1-3/Fritz Erler Allee eingeschossiger Tiefbunker [18; N 9]
Dieser Bunker ist 1980 instandgesetzt worden. Er soll 354 Personen für 10 Stunden Schutz bieten.

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oben: Hochbunker in der Zwieseler Straße
unten: Bunker am Halleschen Ufer
Rungiusstraße 17/21 eingeschossiger Tiefbunker [67; 0]
Sackführerdamm (umbenannt in Aronstraße) eingeschossiger Tiefbunker [53; N 7]
Diese Bunkeranlage wurde inmitten von Kleingartenanlagen zwischen 1942 und 1944 als "Mutter & Kind"-Bunker errichtet und ging wohl erst 1945 in Nutzung. Da einzelne Wände der Innenräume mit Märchenmotiven gestaltet waren, wurde er von der Bevölkerung auch als "Dornröschenbunker" bezeichnet. Dieser Typenbunker bot Platz für 1.500 Personen. (Berliner Abendblatt 5. 12. 2005)
Saltykowstraße 6 eingeschossiger Tiefbunker [54; 0; ><]
Bornsdorfer Straße 8-12 (die ehemalige Saltykowstraße) ist 1985 als Zivilschutzanlage mit 199 Plätze für 10 Stunden instandgesetzt worden.
Selgenauer Weg/Straße 75 eingeschossiger Tiefbunker [22; N 8]
Späthstraße 148/150 eingeschossiger Hochbunker [60; 0]
Steinträgerweg 79/81 eingeschossiger Tiefbunker [51; 0]
Zwickauer Damm 138 eingeschossiger Tiefbunker [55; 0; ><]

Pankow
Im Zusammenhang mit dem Krankenhaus Buch steht der Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee 140. Er hat rund 250 Plätze.
Am Zeiler Weg 46 befindet sich ebenfalls eine Zivilschutzanlage mit circa 250 Schutzplätzen.

Reinickendorf
Cyclopstraße/Göschenstraße eingeschossiger Tiefbunker [69; 0; -L-]
Namslaustraße 5a eingeschossiger Tiefbunker [68; N 11; ><]
› Bunker I Wittenauer Straße dreigeschossiger Hochbunker [25; I 8]
› Bunker II Wittenauer Straße dreigeschossiger Hochbunker [26; 0]
› Bunker III Wittenauer Straße eingeschossiger Hochbunker [27; N 10]
Diese drei Bunker entstanden in der damaligen Kleingartenkolonie zur Pappel. Der Bautyp, wie in der Zwieseler Straße in Lichtenberg, wurde in Berlin mindestens fünfmal gebaut.
Schöneberg
Innsbrucker Platz eingeschossiger Tiefbunker [12; I 3; -L-]
Das Bauvorhaben Laubacher Straße 1-2 wurde 1989 mit 450 Plätze für 14 Tage Aufenthalt fertiggestellt.
Pallasstraße 28-34 viergeschossiger Hochbunker mit einem Tiefgeschoss [19; I 2; ­]
Schöneberger Bezirksverordnete faßten bisher mehrere Beschlüsse, den Bunker in der Pallasstraße für Jugendgruppen zu öffnen, ebenso stand die Idee eines Obdachlosenhauses. Bis zur Wiederherrichtung als Zivilschutzanlage war die einzige Nutzung die Zwischenlagerung gereinigten Mobiliars und Spielzeuges aus der asbest-"verseuchten" Kindertagesstätte Gossowstraße.

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Hochbunker in der Pallasstraße
Umbauentwürfe der Architekten Sawade, Krötzebach und Plessow konnten nicht umgesetzt werden, da der Bunker später zum Atomschutzbunker umgerüstet werden sollte, was zu dem Zeitpunkt der Entwürfe 1978/79 noch nicht sicher war. Die Vorschläge reichten von einer Einhausung durch eine 10m tiefe Stahl-Glas-Konstruktion für Büroflächen über die Einrichtung von Probenräumen bis zur einfachen Berankung. Statt einer Grünanlage auf dem Dach des Bunkers, die für Bewohner des "Sozialpalastes" begehbar gewesen wäre, mußte die Decke mit einer weiteren 2m starken Stahlbetonplatte als Schutz gegen Trümmer des frei über den Bunker gestellten Brückenbauwerkes verstärkt werden.
1986/87 wurde die Pallasstraße 30 zum Bauvorhaben, vorher wurde das Gebäude vom Künstler Sigurd Wendland im März 1984 durch ein Wandbild verschönert. Im Bunker wurde ein Warnamt und Schutzräume für 4.809 Personen für die Aufenthaltsdauer von 10 Stunden eingerichtet und 1990 übernommen.
Der Bunker war 1943 zur Aufnahme der Apparaturen des nahegelegenen Fernmeldeamtes Winterfeldstraße 28/30 am Heinrich von Kleist Park (ehemaliger Königlicher botanischer Garten) begonnen, aber bis Kriegsende nicht fertiggestellt worden (Taz 4. 3.1986).

Spandau
Földerichstraße 24-30 dreigeschossiger Hochbunker [8; I 5;­].
Dieser mittlerweile abgebrochene Bunker ist baugleich mit den Hochbunkern Eiswaldstraße in Steglitz und Zwieseler Straße in Lichtenberg/ Karlshorst.
Am Industriegelände stand ein dreigeschossiger, circa 18m langer Bunker. Seine Kopfenden waren im 2.Obergeschoss mit Galerien versehen.
Der U-Bahnhof Siemensdamm ist eine Mehrzweckanlage, die als Atomschutzbunker mit rund 4.332 Plätze für 14 Tage Verweildauer ausgerüstet ist.

Steglitz
Eiswaldtstraße 17/ Beselerstraße dreigeschossiger Hochbunker [5; I 6; H, ˆ]
Der Schutzbunker Eiswaldtstraße wird vom Zivilschutz unter der Auflage, für die Wartung der Anlage zu sorgen, als Übungsraum genutzt. 1986/87 wurde er zum Schutzbunker mit 1.074 Plätzen für einen Aufenthalt von 10 Stunden wiederhergerichtet. Der Hochbunker hatte sich zuvor als Mitropa Hotel Lankwitz bis in die 1950er Jahre bewährt.
Nach Angaben des Landesdenkmalamtes, daß ihn als Denkmal eingetragen hat, wurde der Bunker von der Baugruppe Langer 1940 als Typ M500 errichtet. Der Entwurf stammt vom Ingenieur Sperling. (Landesdenkmalamt Objektdokumentation 09065398 Juni 1990) 2011 wurde das Gebäude von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an den Immobilienentwickler GVA AG verkauft, der das Schutzbauwerk durch seine Tochter Columbarium AG nach meiner Idee für den Bunker in der Reinhardtstraße zu einem Columbarium umbauen will (RBB Abendschau 12.4.2015). Nach den Angaben der GVA hat das Grundstück eine Größe von 2.372 Quadratmetern, der Bunker eine Grundfläche von 752 Quadratmetern und mit drei Geschossen insgesamt 1.470 Quadratmeter Nutzfläche. Nach der Schließung des Hotels nutzte eine Filmfirma den Bunker als Lagerraum bis zu seiner Herrichtung als Zivilschutzbunker.
Johanna Stegen Straße 8-10 eingeschossiger Tiefbunker [30; N 1]
Kurfürstenstraße 29a eingeschossiger Tiefbunker [32; 0]
Lauenburger Straße 69 eingeschossiger Tiefbunker [31; 0]
Malteserstraße 74 eingeschossiger Hochbunker mit einem Tiefgeschoss
[14; 0; -L-, ­]
Nicolaistraße 69 ist ein mittlerweile instandgesetzter ehemaliger Luftschutzbunker mit 202 Plätzen für 10 Stunden Verweildauer.
Ruthstraße 2-6 eingeschossiger Tiefbunker [21; N 2]
Unter dem
Steglitzer Kreisel befindet sich eine verbunkerte Katastrophenleitstelle. Eine Begehung, die ihre Nutzbarkeit als Obdachlosenasyl überprüfte, mußte festhalten, daß die Anlage ohne Umbau für diesen Zweck völlig ungeeignet ist.

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Hochbunker in der Eiswaldstraße

Tempelhof
Attilaplatz eingeschossiger Tiefbunker [33; 0]
Bohnstedtstraße eingeschossiger Hochbunker [81; /0]
› Bunker I
Bosestraße 5-6 eingeschossiger Tiefbunker [34; 0; ><]
› Bunker II
Bosestraße 5-6 eingeschossiger Tiefbunker [35; 0; ><]
Der ehemalige Luftschutzbunker Bosestraße 5 an der Ecke Franzstraße wurde 1985 instandgesetzt. 200 Plätze für 10 Stunden sind hier vorhanden. Ein Foto der Landesbildstelle dokumentiert ihn mit Lüftungsaufsätzen und einem barackenähnlichen Jugendheim.
› Bunker I
Bundesring eingeschossiger Tiefbunker [39; 0; ><]
› Bunker II
Bundesring eingeschossiger Tiefbunker [40; 0; ><]
› Bunker I Burchardstraße 16/18 eingeschossiger Tiefbunker [36; 0]
› Bunker II
Burchardstraße 16/18 eingeschossiger Tiefbunker [37; 0]
Daimlerstraße 25/Zangenbergweg eingeschossiger Tiefbunker [3;N 6; Vergl.Bd.9 Bl.98, Bd.10 Bl.54 gesamte Eintragung durchgestrichen]
› Bunker I
Domnauer Straße eingeschossiger Tiefbunker [28; 0; ><]
› Bunker II
Domnauer Straße eingeschossiger Tiefbunker [29; 0, N 6; Vgl.Bd. 10 Bl.54]
Elisabethstraße 28/34 eingeschossiger Hochbunker [44; 0]
Friedrich Karl Straße 24/ Friedrich Franz Straße dreigeschossiger Hochbunker [9; I 7; H]
Der dreigeschossige LS-Bunker entstand in der gleichen Bauart, wie die Bunker Eiswaldstraße in Steglitz, Zwieseler Straße in Lichtenberg und Wittenauer Straße in Reinickendorf. Er war nach dem Krieg vorübergehend Polizeigefängnis. Der Plan, eine Turnhalle einzubauen, scheiterte an den Kosten. Bis 1955 nutzte ihn ein Champignonzüchter.
Zu diesem Bauwerk sind die Angaben des Landesdenkmalamtes, wesentlich ungenauer. Seine Erbauungszeit wird zwischen 1933 und 1940 datiert. (Landesdenkmalamt Objektdokumentation 09055086 Februar 1989)
Germaniastraße 65 eingeschossiger Tiefbunker [38; N 12]
Illigstraße 34/38 eingeschossiger Tiefbunker [43; 0; ><]
Rumeyplan eingeschossiger Tiefbunker [42; 0; ><]
Schreiberring/Wolffring eingeschossiger Tiefbunker[41; 0; ><]

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Lage der Bunker in Tempelhof

Tiergarten
Alsenstraße eingeschossiger(?) Tiefbunker [79; 0; ><]
Der am Platz der Republik stehende Bunker mit einem Obergeschoß wurde im Oktober 1947 gesprengt.
Hier bin ich wie einige andere Autoren einem Fehler aufgesessen. bei diesem Bauwerk handelte es sich um eine nachträglich verbunkerte Bauvorleistung für die Berliner U-Bahn. Dieses Stück Tunnel nördlich des Reichstages wurde für unterirdische Rüstungsproduktion mit einer zusätzlichen starken Betondecke und verbunkerten Zugängen versehen.
Ebenso befand sich in der Hildebrandstraße gegenüber der italienischen Botschaft ein eingeschossiger Hochbunker mit einem oder zwei Untergeschossen ähnlich denen am Halleschen Ufer und am Platz der Republik/Alsenstraße.
Die Japanische Botschaft Tiergartenstraße 25-24 Ecke Hiroshimastraße besitzt einen eingeschossigen Tiefbunker auf der Straßenabgewandten Seite des Grundstückes. Der Zugang außerhalb des Gebäudes ist mittlerweile zurückgeführt auf einen Kanaldeckelartigen Einstieg in einer Rasenfläche und der Zugang aus der Botschaftsresidenz scheinbar versiegelt. Im Zusammenhang mit dem Umbau und der Erweiterung des Botschaftsgebäudes wurden die Räume im Februar 1998 oberflächlich aufgemessen. Beide Zugänge laufen um 90° gedreht auf die Luftschutzräume zu, um direkte Druckwellen zu vermeiden. Bis auf das der Residenz zugewandte Ende des Luftschutzbunkers, das mit einer Wohnungsartigen Aufteilung mit sechs Räumen und einem an der Außenwand liegenden Flur aufwartet besteht der Grundriß aus dem typischen Mittelgang mit beidseitig abgehenden gleichgroßen Kammern von circa 6m2 Fläche.
Mittlerweile ist dieser Botschafts-Bunker mindestens bis zur Bodenplatte abgebrochen worden.
Ein weiterer Bunker mit Untergeschossen stand in der Lichtensteinallee an der nordwestlichen Seite zum Neuen See hin.
In der Moltkestraße, zwischen Paul Löbe und Fürst-Bismarck-Straße befand sich ein weiterer eingeschossiger Hochbunker. (Nicht ganz geklärt ist, ob es sich bei den drei Angaben Platz der Republik, Alsenstraße und Moltkestraße nicht um einen Bunker handelt.)
1939 begonnen und im August 1941 fertiggestellt, stand der Tiergarten- oder Zoo-Bunker – "Gustav" im Militärjargon – bis zu seinem endgültigen Abriß insgesamt 19 Jahre. Bis zu 40.000 Menschen hatte das Bauwerk aufgenommen. 42m hoch, 71*71m im Quadrat, Fundamente bis 50m unter der Erde, fünf Geschosse, 80.000m3 Eisenbeton.
Die Einrichtung der "modernen Burg" mit eigenem Kraft- und Wasserwerk, militärischen Befehlsstellen und einem Lazarett führte zu dem Gerücht, zwei Tage später als die Hauptstadt Berlin kapituliert zu haben. Der "kleine Gustav" maß 22*48m Grundfläche, 40m Höhe und hatte 10.000t Zement und 1.250t Eisen - insgesamt 25.000m3 Eisenbeton - gekostet. Er diente etwas abseits zwischen Landwehrkanal und heutiger Straße des 17.Juni stehend, weithin erkennbar durch den riesigen Radarschirm, als Flakleitstelle. Der Leitbunker wurde 1942 fertiggestellt (Andreas Hoffmann; Zoobunker in Tiergarten Teil 1, Vom Brandenburger Tor zum Zoo; Helmut Engel, Steffi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue; Geschichtslandschaft Berlin. Orte und Ereignisse Band 2; Berlin 1989 - Staatsbibliothek Berlin 4-42MA3278).
Der Flakhochbunker diente zudem als das größte Lager für Kunstschätze, unter anderem für den Pergamon Altar, den Schatz des Priamos, die Nofretete. Mit deren Einlagerung begann man am 29. September 1941. Ein knappes Jahr früher als im Friedrichshain, am 06.Juni 1944, begann man hier, die Kunstwerke in Salzstöcke mit insgesamt 23 Transporten auszulagern. Verbliebene Stücke traten zu Teilen 1945 die Reise in die Sowjetunion an. (Irene Kühnel-Kunze; Bergung - Evakuierung - Rückführung. Die Berliner Museen in den Jahren 1939 - 1959; Berlin 1984)
1946 lief die Diskussion, den Zoobunker zum Affenfelsen oder Mahnmal zu machen. Im Zoo-Hochbunker, insgesamt 400 Zimmer inmitten des meistzerstörten Stadtbezirkes, hatte 1946 die Seuchen-Abteilung des Robert-Koch-Krankenhauses Aufnahme gefunden. Die Kapazität sollte auf 500 Betten gesteigert werden.
Das Bunkerbauwerk, damals Berlins teuerster Hochbau mit 45 Mio. RM Kosten für die Errichtung, davon unter anderem 20.000RM für die Einrichtung der Krankenstation und 4,5 Mio. DM für die späteren Abrißarbeiten (ohne das spätere Heranfahren des Schuttes).

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oben: Zooleitbunker vor seiner Sprengung
unten: Zooleitbunker nach seiner Sprengung
Bevor die Zerstörung durch die Alliierten beginnen konnte, mußten die am Zoo-Bunker beigesetzten Toten auf den Sankt Paulus Friedhof in Plötzensee umgebettet werden. Die erste Sprengung durch britische Pioniere am 22. 6. 1947 (kurzfristig umgelegt auf den 30. 8. 1947, Tagesspiegel 20. 7. 1955) mit 22t Sprengstoff (45.000 bis 50.000 Pfund TNT) zerfetzte nur das Innere des Bunkers. Am Äußeren wies der Flakturm keine größeren Beschädigungen auf. Die zweite Sprengung mit 8.000Pfund war als Teilsprengung am Nordwestturm vorgesehen. Erst nach der dritten Sprengung am 30.07.1948 mit stolzen 60.000Pfund Sprengstoff, unter der das Dach des Arbeitsgerichtes, Tierhäuser am Zoo und Glasscheiben der Umgebung litten, neigten sich die vier Flaktürme zur Seite. Der Leitbunker wurde am 28. 6. 1947 mit 12t Sprengstoff (entspricht 26.000 englischen Pfund) gesprengt.
Um ihn ebenso wie die Flaktürme in Friedrichs- und Humboldhain zu bedecken, schüttete man 1948/49 Trümmer auf. Am 29. 12. 1950 feierte man den 250.000m3 Trümmerschutt. In "Šein landschaftlich reizvolles Gebirgsmassiv mit steilen Hängen und saftigen Wiesen, mit Almhütte und Sturzbach sollte sich der steinerne Koloß verwandeln." (Berliner Morgenpost 2. 3. 1958). Grünberge zur endgültigen Bedeckung über beiden Bunkern hätten jedoch Böschungen erfordert, die die Bahnanlagen des Bahnhofs Zoo bedeckt und den für die Vorflut unentbehrlichen Kanal im Tiergarten zugeschüttet hätten.
Aus diesem Grunde erwog man eine Teilabdeckung, um die Zoobunkerruine als Mahnmal bestehen zu lassen oder als Affenfelsen in den Zoologischen Garten einzubeziehen.
1955 wurde der Trümmerberg wieder abgetragen, um dem Zoo mit Vertragsbeginn 1957 als Austausch für Flächen am Breitscheidplatz das Gelände des Flakbunkers zur Verfügung zu stellen (Andreas Hoffmann; Zoobunker in Tiergarten Teil 1, Vom Brandenburger Tor zum Zoo; Helmut Engel, Steffi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue; Geschichtslandschaft Berlin. Orte und Ereignisse Band 2; Berlin 1989 - Staatsbibliothek Berlin 4 42MA3278). Die Untergeschosse standen zusätzlich dem geplanten U-Bahnbau Linie G Steglitz-Wedding im Wege und eine nördlichere Führung war wegen der Schleuseninsel unmöglich.
Drei Jahre dauerte der endgültige Abriß, nachdem man sich dazu entschieden hatte. 130 Arbeiter waren täglich an den Abrißarbeiten beschäftigt. Etwa 800 Dynamitladungen benötigte die damit beauftragte Fima für den graugrünen Koloß. Die Charlottenburger Abraum Fima, die Erfahrungen beim Abriß des Raketenstützpunktes Helgoland gesammelt hatte, bekam den Auftrag im Freihandangebot für 4Mio.DM. Bei der öffentlichen Ausschreibung hatten die meisten Firmen im Durchschnitt 5,6Mio.DM veranschlagt. Das Angebot dieser Firma fiel wegen der als gewinnbringend kalkulierten Wiederverwertung des Materiales für die Stadt so günstig aus (Tagesspiegel 20. 7. 1955).
Täglich zwei kleinere Sprengungen wurden gezündet, von 1955 bis 1957 insgesamt 549.

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oben: Grundriß des Flakhochbunker
unten: Flakhochbunker im Tiergarten
Die "Zermürbungstaktik" wurde angewandt, nach dem der Bunker über Gebühr lange hochbrisanten Sprengstoffen widerstanden hatte (Tagesspiegel 31. 3. 1957).
Die 6.700 m2 große und 3m dicke Fundamentplatte blieb aus finanziellen Gründen erst einmal liegen, lediglich die Südost- und Nordwestecke wurden für tiefwurzelnde Bäume herausgebrochen. Ein Teil der Bunkerplatte bot damit das Fundament für die "Waldschenke" und eine wasserundurchlässige Sohle für den Teich vor dem Restaurant. Die übrige Fläche wurde 1m dick abgedeckt. 1969 wird die Fundamentplatte als letzte Spur ebenfalls beseitigt.
75.000 m3 Beton waren für Straßen- und Kanaluferbau beziehungsweise befestigung gewonnen und verarbeitet worden. Der Rest lagerte im Reservelager am Bahnhof Ruhleben bis zu weiterer Verwendung. 4.000t Rundstahl wurden an Ort und Stelle aufgearbeitet, gerichtet, geschweißt und abgelängt, ein nur kleiner Teil mußte verhüttet werden. Die 100.000 m3 Schutt, für den Wall um die Sprengarbeiten herangefahren, wurden gemahlen und zu Bausteinen gepreßt. Material, das nicht wiederverwendet werden konnte, gelangte als Füllmaterial auf den Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät am Teufelsberg im Grunewald.

Treptow
› Ein Winkelturm wurde 1938 auf dem
Gelände der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Adlershof errichtet (Militärarchiv Freiburg RL4/354).
Am Flutgraben 2, auf dem Gelände der arena, eines ehemaligen Busdepots, befindet sich ein weiterer Bunker. Er wurde von Juni bis August 2005 das erste mal durch eine Ausstellung der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Der aus dem 2. Weltkrieg stammende und etwa 1.500 qm große Bunker befindet sich auf dem ehemaligen "Todesstreifen" der Berliner Mauer, welche an dieser Stelle die Stadtteile Kreuzberg von Treptow trennte. Den Bunker durchzieht daher ebenfalls eine unterirdische Mauer, die Fluchtversuche durch den Flutgraben/Spree nach West-Berlin verhindern sollte.
Wedding
Blochplatz/Badstraße eingeschossiger Tiefbunker [1;I 4; -L-]
Am Blochplatz befinden sich die Eingangsbauten, insgesamt drei, zu einem instandgesetzten Tiefbunker, dessen Lüftungsschächte in der Badstraße zu sehen sind. Er umfaßt einen 120m langen und 18m breiten Schutzraum 8m unter der Erde. Die 1.318 Plätze sind für eine Verweildauer von 10 Stunden angelegt.
Der Berliner Unterwelten e.V. hält diese Anlagen instand und nutzt sie für Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Der U-Bahnhof Gesundbrunnen als Schutzbunker bietet 1.350 Plätze (Taz 26. 8. 1982).

Br(3Š)straße/R(P)i(r)alarstraße zweigeschossiger Tiefbunker [10; 0; -L-]
Im Gasometer in der Sellerstraße 7-10 [Müllerstraße 184a, Hochbunker I] entstand ein wahrscheinlich zum Fichtebunker typengleiches Schutzbauwerk. 1946 wurde er zum "Volkshotel" und "Übernachtungsheim" mit 45 Räumen in jeder der vier Etagen. Zu ebener Erde waren Zimmer für eine Nacht, darüber in 2*3m großen Räumlichkeiten Dauergäste (Notstandsarbeiter, Flüchtlinge, Arbeitslose, kinderreiche Familien, Prostituierte) untergebracht, die eine Miete von 15-20DM/ Monat und 5DM Stromgeld zahlen mußten. Die Bewirtschaftung lag in Händen der Firma Markus Boy und Sohn, die dieses "Hotel" 1946 vom Amt für Liegenschaften gepachtet hatten (Tagesspiegel 21. 4. 1951). Das Gelände nördlich der Sellerstraße, auf dem der Bunker stand, gehört heute der Schering AG.

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oben: Ruine des Bunkers im Tiergarten
unten: Ruine des Bunkers am Platz der Republik
Der Humboldthainbunker wurde am 13. März 1947 durch französische Pioniere gesprengt. Er umschloß 150.000m3 Raum mit 25.000m3 Stahlbeton und maß an der Basis 40*70m. Mit einem Kostenaufwand von von 90Mio. Mark war der Flakbunker mit Leitbunker in den Humboldthain betoniert worden. Zu seiner Sprengung waren 161 "charges furent" notwendig (Zeitung der französischen Besatzung in Berlin; 1947). Das Finanzamt für Liegenschaften hatte bis zum Zeitpunkt der Sprengung einen Teil der Räume an Wirtschafts- und Handwerksbetriebe vermietet. Neben der Wasseranlage im untersten Geschoß befand sich ein EnGroslager einer Papierfirma, eine Autogarage und standen abgestellte Fässer von Treibstoffirmen.
Im ersten Stock war das Bunkerinventar abgestellt. In höhergelegenen Etagen hatten sich Firmen für Feingerätebau mit Büro, Konstruktionsräumen und Werkstätten (Autowinker und andere technische Geräte), für Öfen und Herdbau, für Sprengung und Beseitigung von Ruinen, eine Schlosserwerkstatt und weitere kleine Industriebetriebe angesiedelt. Ebenso waren drei Werkstudenten der Elektrotechnik mit ihrem Laboratorium und im obersten Stockwerk der "Jugendeinsatz" untergekommen.
Nach der Sprengung kam es, auch nach Vermauerung bekannter Öffnungen und Einzäunung des Geländes, immer wieder zu Unfällen Wagemutiger oder wurde der Bunker als Unterschlupf von Obdachlosen genutzt (Der Abend 6. 7. 1965). Am 13. März 1975 wird die Teilabräumung und Verfüllung des Bunkers ausgeschrieben. Auch danach ist der Bunker nicht endgültig versiegelt: Am 19. Juni 1984 schreibt das Bezirksamt, daß es "nicht mehr bereit [ist], die Verantwortung für das erhöhte Sicherheitsrisiko zu übernehmen, da der Bunker eine erhebliche Gefährdung der Öffentlichkeit darstelle." Der Senat wird deswegen gebeten, die nötigen Mittel für die Sicherung bereitzustellen (Material der Ausstellung "Bunker Berg" des Heimatmuseum Wedding).
In der Sylter Straße befand sich ebenfalls ein wahrscheinlich unterirdisch ausgeführter LS-Bunker.
Die Mehrzweckanlage U-Bahnhof Pankstraße der ehemaligen Linie D soll 3.346 Personen für 14 Tage Atomschutz bieten. Sie war 1978 übergeben worden.

Wilmersdorf
eingeschossiger Tiefbunker auf dem Grundstück Bundesallee 160-163
Fehrbelliner Platz 4 eingeschossiger Tiefbunker [6; I 1; -L-, Aufl.]
Als mittlerweile instandgesetzter Luftschutzbunker besitzt diese´unterirdische Anlage 1.318 Plätze für 10 Stunden Aufenthalt.
Reichenhaller Straße 1(2,3)3 eingeschossiger Tiefbunker [20; x; -L- gesamte Eintragung durchgestrichen]

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oben: Ein Eingang und Plantafel des ABC-Bunkers Pankstraße
unten: Flakbunker im Humboldthain

Zehlendorf
› Am großen Wannsee 80 viergeschossiger Hochbunker mit einem Untergeschoss [24; 0; H, ><]
Der ehemalige Weltkriegsbunker in der Straße Zum Heckeshorn (ehemals Am großen Wannsee) wurde 1994 als geschütztes Hilfskrankenhaus mit 407 Betten hergerichtet. Es blieb in Berlin das einzige und ist eines von 20 verbunkerten Krankenhäusern im Bundesgebiet.
Ein weiterer Bunker befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Bogenfabrik in Düppel Nord
Eiderstätter Weg 34 dreigeschossiger Hochbunker [4;N 5; H, Aufl.]
Im Eiderstedter Weg 34 befindet sich ein instandgesetzter ehemaliger Luftschutzbunker mit 293 Plätze für 10 Stunden. Nach einem Entwurf der Luftschutz-Baugruppe Wilhelm wurde er als Projekt 105 1943/44 an die Nordgiebelseite eines Wohnhauses des Wohnungsbauvereins Neukölln eGmbH angebaut. Er fügte sich damit städtebaulich in die Zeilenbauweise der Siedlung Heinrich-, Niklas-, Albrechtstraße ein (1930 Heinrichstraße 66, 1938 Chamberlainstraße 66, heute Eiderstedter Weg 34­1930 Niklasstraße, 1938 Hoensbroechstraße, heute Niklasstraße­1930 Albrechtstraße, heute Ilsensteinweg).
Entworfen wurde die Siedlung vom Reg.Baumeister Prof.Paul Mebes für den damaligen Beamtenwohnungsverein Neukölln. Der Bauantrag wurde im Oktober 1929 gestellt und die Siedlung 1930 ausgeführt. Für den Luftschutzbunker mit einer Grundfläche von 200qm, Grundstückseigentümer war mittlerweile der Reichsfiskus (Luftfahrt) des Deutschen Reichs, mußten zwei der Wohnungsbauten auf dem Grundstück abgetragen werden. Ausführende Firma war hier die Luz Bau GmbH Berlin.
Den Fleischwerken Herbert Lehmann K.G. wurde am 8. März 1948 die Baugenehmigung für den Umbau des Hochbunkers Schlachtensee zur Nutzung als Kühl- und Lagerräume und für Teilpräparation von Fleischwaren erteilt. Dabei sollten unter anderen folgende Forderungen des Arbeitsschutzes beachtet werden: lichtgebende Fensterfläche beträgt mindestens 1/8 der Raumgrundfläche, Türen der Arbeitsräume schlagen nach außen auf, Fußboden und Wände sind bis zur Höhe von 2,00m abwaschbar und wasserdicht herzurichten, Wrasenfänge einzubauen, und die Schornsteine auf entsprechende Höhe aufzuführen. Die Firma wurde am 28. Mai 1948 von diesen Auflagen für 300,00DM Gebühren befreit. Mit Schreiben zum 21. Juni 1949 folgte noch die Genehmigung für ein eingeschossiges Schuppengebäude, das L-förmig an die Nordwestecke des Bunkers angebaut werden sollte. (Archiv Bauaufsichtsamt Zehlendorf; Akte Band I Eiderstädter Weg 34 Vorgänge z.T. in Niklasstr.66/68)
1980 ist der Bunker von allen Umbauten befreit als Zivilschutzanlage wiederhergerichtet.
Im Gehege 6/9 wird für die Gertraudenschule im Rahmen des Bunkerbauprogrammes für die staatlichen Schulen Berlins ein Bunker für 300 Personen errichtet.

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oben: Ansicht des Luftschutzhauses
unten: Erdgeschoßgrundriß des Luftschutzhauses Chamberlainstraße
› Königsweg eingeschossiger Tiefbunker [70; 0]
› Bunker I Königsweg/Potsdamer Chaussee eingeschossiger Tiefbunker [71; 0; -L-]
› Bunker II Königsweg/Potsdamer Chaussee eingeschossiger Tiefbunker [72; 0; -L-]
› Bunker III Königsweg/Potsdamer Chaussee eingeschossiger Tiefbunker [73; 0; -L-]
› Bunker IV Königsweg/Potsdamer Chaussee eingeschossiger Tiefbunker [74; 0; -L-]
› Bunker V Königsweg/Potsdamer Chaussee eingeschossiger Tiefbunker [75; 0; -L-]
› Bunker VI Königsweg/Potsdamer Chaussee eingeschossiger Tiefbunker [76; 0; -L-] (wahrscheinlich heutige Königsstraße)
› Bunker I Machnower Straße 85/87 eingeschossiger Tiefbunker [77; 0]
› Bunker II Machnower Straße 85/87 eingeschossiger Tiefbunker [78; 0]

Hamburg

Der an der Brackestraße stehende Luftschutzturm der Bauart Luzbau für 500 Personen wurde 1950/51 in den von den Architekten Sprotte und Neve geplanten Zentralen Busbahnhof einbezogen. Da an den Luftschutzbunker nicht gerührt werden durfte, umschlossenen die Räume der Gaststätte ihn nur (Neue Bauwelt Heft 43/1951).
Duisburg

Einer der ersten stahlarmen Winkeltürme (50kg Stahl je m3 Beton), bei dem es später zu Rissen durch Schwinden und Senkung kam, wurde hier gebaut, da die ihn vertreibende Firma Winkel & Co. hier ihren Stammsitz hatte (Militärarchiv Freiburg RL4/339).

Münster

"Zum Schutz der Bevölkerung bei Fliegerangriffen wurden in den Jahren 1942 bis 1944 in Münster 10 Hochbunker geschaffen. Diese Bunker waren für rd. 13.000 Personen vorgesehen, konnten jedoch bei dichter Besetzung beinahe die doppelte Zahl aufnehmen.[am Ende des Krieges waren nur noch 25.000 Einwohner in der Stadt verblieben]
Es waren folgende Bunker:
StandortNutzflächevorgesehene PersonenzahlBaujahr
Gievenbeck3664001942/43
Wolbecker Siedlung349520
Lazarettstraße437530

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Luftschutzturm Hamburg
StandortNutzflächevorgesehene PersonenzahlBaujahr
Lotharingerstraße620800
Hansabunker6651.0001943/44
Kappenbergerdamm5101.000
Schützenhofbunker7921.500
von Kluck-Straße1.1752.000
Franziskusbunker [Am Franziskushospital]2.0192.000
Emsstraße1.6303.000

Ferner hat die Reichsbahn 3 Bunker erstellt und zwar
1 Bunker vorwiegend für Reisende und
2 Bunker für das Betriebspersonal.
Als weiterer Fliegerschutz waren vorhanden:
58 Rohrdeckungsgräben
59 gemauerte Deckungsgräben
100 öffentliche Luftschutzräume in Gebäuden." (Luftangriffe auf Münster (Westf.), Statistischer Sonderbericht; Hrsg. vom Statistischen Amt der Stadt Münster (Westf.) 1952)

Stuttgart

Der Tiefbunker unter dem Marktplatz, in dem 3.000 Menschen Schutz fanden, wurde circa 1954 zu einem bescheidenem unterirdischen Hotel umgebaut (Schukraft, Harald; Damals über Stuttgart, Innenstadt und Vororte in Luftbildern der 20er bis 40er Jahre; Stuttgart 1988 - Stadtbibliothek Ds m 8826233-6). Die Gäste schliefen in den übriggebliebenen Luftschutzbetten. Mitte der achtziger Jahre mußte Hannelore Zeller die Herberge aus Kostengründen schließen.
Die Abmessungen des Bunkers, für dessen Instandhaltung das Amt für Zivilschutz zuständig ist, betragen 47*34m, 1.598m3.
Er besteht aus 80 Zellen, die jeweils 6*2m groß sind. Der Fußboden liegt etwa 72 Stufen unterhalb des Marktplatzes. Die Bunkerdecke ist circa 1m dick. Noch erhalten ist der beeindruckende Notstromaggregat. (Ausschreibung zum Wettbewerb)
Der Juwelier Franz Eppli schrieb im engen Einvernehmen mit der Stadt einen Architektenwettbewerb aus, mit dem er die Neugestaltung des Marktplatzes regeln will. In den früheren Empfangsräumen des Bunkerhotels stellt sich Eppli Gastronomie vor. Der Rest der Fläche soll nach dem Shop-in-Shop System Verkaufsfläche werden, in der die Geschäfte ineinander übergehen. (lift Stadtmagazin Stuttgart Nr.8/95 5.Jahrgang)
Mittlerweile ist der ehemalige kioskartige Zugang zum Tiefbunker abgebrochen worden und die Öffnung mit Platten überdeckt. Neuere Angaben nennen für die Tiefe der ehemaligen Luftschutzanlage 25 Stufen und 100 zellenartige Räume von etwa 2 auf 3 Meter Grundfläche. Die Stärke der Abschlußdecke beträgt um 1,5 Meter. Durch die Auflösung des Amtes für Zivilschutz hat nun die Brandschutzdirektion die Betreuung des Tiefbunkers übernommen. (B. Berger, Oktober 2005)
Der Wagenburgtunnel hinter der Staatsgalerie entstand als Luftschutzanlage. Am 21. November 1940 sprach sich der Gemeinderat für den Tunnel aus, im Frühjahr 1941 begannen die ersten Arbeiten. Dafür mußten einige Häuser in der Urbanstraße abgerissen und die Straße unterbrochen werden.

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oben: Eingang des ehemaligen Bunkerhotel
unten: umbauter Winkel-Turm Stuttgart
Im August war der Richtstollen mit 150m Länge fertig. Das gesamte Bauvorhaben, sechs Monate darauf vollendet, faßte, obwohl es nicht auf der gesamten Länge in vollem Durchmesser ausgebaut wurde, etwa 20.000 Menschen. Fünf Zugänge führten zu den zweigeschossig angelegten Röhren.
In den fünfziger Jahren wurde der Tunnel diesmal für den Verkehr fortgeführt. 1952 erfolgte der endgültige Tunneldurchbruch nach Gablenberg/Ostheim. Weiter betrieben wurde der Ausbau zum Autotunnel in den Jahren 1954 und 1958. Die insgesamt 824m lange Verkehrsverbindung ist am 17. März 1958 eingeweiht worden (S.88 Damals über Stuttgart).

Der Winkelturm am S-Bahnhof Stuttgart-Feuerbach wurde 1988 bis 1991 nach Entwürfen der Architekten Behnisch & Partner in die Umgestaltung des Wiener Platzes miteinbezogen. Der Bunker für rund 240 Plätze, massiv und eisensparend ohne Armierung in Schüttbeton ausgeführt, verlor seine harte Glätte durch ein fiedriges, aus vier asymmetrischen Flügeln unterschiedlicher Geometrie bestehendes Dach. (Deutsche Bauzeitschrift März 1992)
Nutz-Los

Die ersten Baumaßnahmen, noch mit Preßlufthämmern, das Innere von Bunkern zu weiten und in die Außenwände Fenster zu treiben, wurden wieder eingestellt, da es einen hohen Aufwand an Zeit und Kraft und einen ebenso hohen Materialverschleiß bedeutete. Erst das Sprengverfahren mit flüssigem Sauerstoff, das eine Maßanfertigung von Öffnungen in den meterdicken Betonwänden erlaubte, ließ großzügige Umgestaltungen der Bunker zu. Dies nutzten viele Städte wie Braunschweig und Offenbach zur "Entmilitarisierung" und damit zum Erhalt ihrer Bunker. Der Preis für das traditionelle Herausstemmen der Fenster belief sich, nach Untersuchungen der Stadt Offenbach a.M. 1948 auf 1.600DM und für das kombinierte Bohr Sprengverfahren auf maximal 1.250DM für ein Fenster. Dabei wurden der herauszusprengende Bereich dicht an dicht abgebohrt, die Bohrungen mit Sprengmasse gefüllt und verdämmt, um eine möglichst hohe Sprengwirkung zu erzielen. Gegen die beim Sprengen herausfliegenden Betonbrocken hängte man von außen eine Fläche aus stabilen Bohlen vor die zukünftige Öffnung, in Braunschweig verwandte man dazu eiserne Träger.
Viele der Bunkerbauwerke, hauptsächlich die Hochbunker, wurden trotzdem geschliffen. Tiefbunker entstanden, soweit sie als öffentliche Schutzanlage geplant waren, oft auf Grünanlagen und wurden dann meistens im Zuge der Neugestaltung von Plätzen oder wegen Gefährdung durch einstürzendes Erdreich tiefenentrümmert. Hochbunker in ihrer Massigkeit lassen sich, da sie mittlerweile wieder in einem eng an sie herangewachsenen Stadtkörper stehen, nicht mehr durch Komplettsprengung beseitigen.

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oben: Ausprengarbeiten an Hochbunkern in Wiesbaden
unten: Rohbau eines entfestigten Bunker in Offenbach
Für sie muß sich, erst recht, wenn sie als Denkmale erhalten werden sollen, eine anpaßbare Nutzung finden oder das Bauwerk entsprechend hergerichtet werden.
Solange man für die Sicherheit in der Zeit des Kalten Krieges Schutzbauwerke für notwendig hielt, wurden entsprechende Schutzbauwerke mit Filteranlagen, strahlungsdichten Schleusen und anderer Technik zu sogenannten ABC-Schutzanlagen wiederhergerichtet. Dieser "Wiederbetrieb" war noch die einfachste Variante der Nutzung. Seit März 1990 werden jedoch keine weiteren Schutzbauwerke geplant oder gebaut. Im Laufe der vergangenen fünfzig Jahre sind soviele unterschiedliche Fremdnutzungen von Bunkern realisiert oder zumindest entwickelt worden, daß es kaum notwendig ist neue vorzuschlagen.

Wie bei vielen anderen fremdzunutzenden Bauwerken, meist Denkmälern, wird in heutiger Zeit in Wünschen und in der Planung die Entwicklung eines Kulturzentrums bevorzugt. Bei neuer Nutzung alter Gebäude unter einem erweiterten Kulturbegriff steht meist die Belebung alter Quartiere im Vordergrund. Die Unmenge der Projekte bringt aber auch eine Menge Nichtrealisierung mit sich. Meist scheitern diese nicht wirtschaftlichen Entwürfe an der Finanzierung des späteren Betriebes, oft schon an der fehlenden für den Bau. Ökonomische Nutzungen wie Hotels, Büro oder Gewerbe scheitern eher an den Baubestimmungen: Fluchtwege, Raumhöhen, Brandabschnitte, Belichtung. Hotels, Krankenhäuser und Pflegeheime, wie sie nach dem zweiten Weltkrieg aus Raumnot entstanden und mangels Konkurrenz auch angenommen wurden, scheinen heute undenkbar, zumindest werden sie nicht vorgeschlagen.
(Die Einrichtung einer Art "Disney-Land" in den Bunkern der ehemaligen Staatsführung der DDR wird hier als eine nicht ernsthaft anzuführende Ausnahme der virtuellen Spaßwelt der Unterhaltungsindustrie betrachtet.)

Bürohaus
Der etwa 10m aus der Flucht in das Grundstück gesetzte Bunker in der Pallasstraße sollte im Zusammenhang mit dem Bau des "Sozialpalastes" 1979 ebenfalls umgenutzt werden. Die einfachste Variante war, die vorhandenen Räume nur soweit herzurichten, daß die Musikhochschule sie als Probenräume hätte nutzen können. Umfangreicher waren die Vorschläge, den Bunker einzuhausen. Da sie vom Bundesministerium für Inneres nicht mitgetragen wurden, kamen sie über den Vorentwurfsstand nicht hinaus.
Eine sich selbst tragende Zweigelenkrahmen-Konstruktion aus Stahl und Glas mit einer Tiefe von 10m – am Stahlbeton des Bauwerkes nur befestigt – sollte die Straßenflucht wiederherstellen und Räume für die drei Varianten Volkshaus, Kulturzentrum oder Büro bieten. Bei den ersteren beiden hätten die Säle des Bunkers Raum für Ausstellungen, oder Aufführungen geboten. Das Bürohaus hätte den Bunker als "Dunkelzone" für Archiv und Nebenräume genutzt.

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bestehende Hochbunker in Hamburg
Columbarium

Rom
Coemeterien beziehungsweise Katakomben sind die Vorläufer der heutigen Columbarien. Um Rom existierten sie zumeist in Gruppen längs der belebtesten Landstraßen oder deren Abzweigungen und umgaben die Stadt in gemessenen Abstand. Obwohl es ursprünglich isolierte Gründungen waren, wurden sie bei geringem Abstand später oft miteinander verbunden. Der Tuffboden der Kampagna bietet in 10 bis 20m Tiefe günstige Voraussetzungen für Ausgrabungen stollenartiger Schächte und Grabkammern. Von der Leichenverbrennung der Kaiserzeit ist nachgewiesen, daß sie im Grunde nicht aus religiös-kulturellen Anschauungen - sie wurde von den Christen nicht ausgeübt - sondern aus ökonomischen Motiven hervorging. Im 2. und 3.Jh. war die Inhumation als ursprüngliche Art der Bestattung herrschende Sitte. Beide Formen bestanden oft selbst in der gleichen Kammer nebeneinander, die dann im oberen Teil die typischen Nischen der Aschenurnen aufweist und im untern Teil die weiten flachbogigen Nischen, die zur Aufnahme eines Sarkophags aus Stein oder Terracotta bestimmt waren. Die Grundstücke befanden sich meist in privatem Besitz und erst mit später waren Gemeinden Eigentümer der beim römischen Katasteramt gemeldeten Grundstücke. Charakteristisch für die älteren Coemeterien ist das System der Anlage:
Die Gänge verlaufen streng innerhalb der Grenzen eines Grundstückes meist orthogonal zueinander.
Die Gänge besaßen zuerst eine Höhe von 2,00m, da die Durchschnittsgröße 1,70m betrug und der Fossor mit der Hacke über den Kopf ausholen können mußte. Waren die Wände des ersten Ganges mit Leichen gefüllt, erfolgte die Tieferlegung im Schnitt um 1,00m, womit Raum für weitere zwei Gräberreihen gewonnen wurde (Paul Styger; Die römischen Katakomben; Berlin 1933 – Staatsbibliothek Berlin 4° Rr7804/13). Die Gänge eines Coemeteriums sind damit normalerweise vom Boden bis zur Decke mit Arkosolgräbern und den einfacheren Loculi ausgelastet.

Ursprünglich waren die Gräber mit Marmor- oder Ziegelplatten, am Rande verputzt, geschlossen. Da nur die wenigsten Platten Inschriften trugen, kennzeichnete man sie, um das Grab wiederzufinden, zuweilen mit kleinen Gegenständen - Münzen in den Putz gedrückt, Elfenbeinfiguren, Majolikaplatten, Goldglas. Diese Erkennungszeichen waren zugleich bescheidener Grabschmuck. Nach einem Brauch aus der Antike, der heute mit dem Bringen frischer Blumen noch existiert, drückte man kleine Flaschen in den frischen Putz. Sie enthielten eine duftende Essenz, die bei Besuch des Grabes mit den Fingern auf die Platte gestrichen wurde (Ludwig Hertling, Engelbert Kirschbaum; Die römischen Katakomben und ihre Märtyrer; Wien 1955 - Staatsbibliothek Berlin 10B277²).

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links: Katakombengänge
rechts: Entwicklungssystem und Parfümflakon
Berlin
Das Friedhofs- und Bestattungswesen Berlins unterscheidet sich wesentlich von dem anderer großer Städte, da die Toten nicht auf einem Zentralfriedhof oder wenigen großen, sondern auf vielen Bestattungsfeldern, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, beigesetzt werden. Bis in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts lagen die Friedhöfe außerhalb der Stadt. Da die Kirchen an ihrem Recht auf Besitz eigener Friedhöfe festhielten, gibt es erst seit 1800 mit Einrichtung des "Armenfriedhofes" in der Friedenstraße (1881 geschlossen), des Wedding-Ackers 1828 in der Gerichtstraße (1879 geschlossen) und des Friedhofes Berlin-Friedrichsfelde 1881 kommunale Bestattungsfelder.
Am 20. Mai 1911 wurde der "Gesetzentwurf betreffend Feuerbestattung" verabschiedet. Damit war diese Art der Beerdigung, die in mehreren Ländern seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aus ästhetischen, ethischen und hygienischen Gründen diskutiert wurde, auch in Preußen sanktioniert. Der Magistrat von Berlin hatte sich bereits im April 1892 mit einer Denkschrift, in der die praktischen und rechtlichen Gesichtspunkte der Einführung der Feuerbestattung auf einem städtischen Friedhof dargelegt wurden, an die Preußische Regierung gewandt.
Die katholische Kirche widersetzte sich der Kremation noch bis Juni 1964, während eine Synode der evangelischen Kirche im November 1910 zum Ausdruck brachte, daß die Einführung der Feuerbestattung keine kirchlichen Interessen verletze. Bis Anfang des Zweiten Weltkrieges galt Deutschland als klassisches Land der Feuerbestattung. Seitdem sind es vorrangig Großbritannien, Dänemark und Schweden.
In kurzer Zeit errichtete der Verein für Feuerbestattung 1891 auf dem Gemeindefriedhof Berlin-Friedrichsfelde, 1896 in einem Gebäude im Treptower Park und im September 1910 in der Gerichtstraße Columbarien. Letzteres wurde schon 1911 zum Krematorium umgerüstet. (Berlin und seine Bauten, Teil X Band A, Anlagen und Bauten für die Versorgung (3) Bestattungswesen; Hrsg. Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin; Berlin 1981)
Die Feuerbestattung spielte neben hygienischen Gründen durch ihre Platzersparnis auch in der Freiflächenpolitik Berlins eine entscheidende Rolle. Friedhöfe in der dicht bebauten Innenstadt sollten für die Erdbestattung geschlossen und nur noch für die Beisetzung von Urnen genutzt werden dürfen.
In der Zeit des Dritten Reiches erhielt auch die Feuerbestattung als in echt nordischem Geiste wiederauferstandener germanischer Brauch weiteren Auftrieb. Entsprechend wurden auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Beisetzung der Asche, nicht mehr nur nach Platzbedarf allein diskutiert. Joseph Pertl, Stadtgartendirektor Berlins zwischen 1934 und 1940, vertrat unter anderen den Gedanken der Aschenbeisetzung auf hügeligen Rasenflächen. Gegenüber dem Aufbewahren der Asche in Columbarien stellt sich ihm das Ausstreuen der Asche in einem Hain als konsequente Lösung und schönste Beisetzungsform dar (Joseph Pertl; Das Problem der Aschenbeisetzung; Gartenkunst 1938).

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Friedhöfe Paris und Berlin
Am 15. Mai 1934 wird das für Gesamtdeutschland vereinheitlichte "Reichsgesetz über Feuerbestattung", das bis 1973 gültig blieb, verabschiedet. Dies setzte die Feuerbestattung endgültig mit der Erdbestattung gleich.
In dem Zeitraum 1950 bis 1989 war zumindest Westberlin auf eine definitiv begrenzte Zahl innerstädtischer Friedhöfe festgelegt. Es wies in diesem Zeitraum immer den vierfachen Anteil von Feuerbestattungen gegenüber dem Bundesdurchschnitt auf (1977 Berlin West 58,9%; DDR 55,5%; BRD 17,2%). Unter diesen Umständen, auch durch eine Zunahme von Sterbefällen besonders im Winter 1969/70, beschloß man am 16. Februar 1976 das "Gesetz über die landeseigenen Friedhöfe Berlins" und erläuterte es mit den Ausführungsvorschriften zum Friedhofsgesetzt vom 8. November 1978. Danach können in Urnengemeinschaftsgrabstätten Urnen der Reihe nach ohne Kenntlichmachung ihrer Lage beigesetzt werden. In Aschengemeinschaftsgrabstätten wird Asche unterirdisch beigesetzt. Das Anlegen und Instandhalten dieser Flächen, wie auch das Beisetzen, bei dem auf Wunsch Angehörige dabei sein können, ist Aufgabe der jeweiligen Friedhofsverwaltung. Die Ruhezeiten wurden von 25 auf 20 Jahre verkürzt.
Mit der Einführung dieser Möglichkeiten erhoffte man sich eine weitere Steigerung der Einäscherungen und eine Verminderung des Flächenbedarfes. Bei der Erdbestattung werden 2,50m2 und für eine Urne nur 0,31m2 benötigt.
1970 benötigte man rein statistisch 4,4m2 Friedhofsfläche je Einwohner und verzeichnete 85.034 Sterbefälle. Der Anteil der Feuerbestattung betrug 57,6%. Für 1994 wird der gesunkene Flächenbedarf von 2,1m2 je Einwohner und bei 40.730 Sterbefällen 72,3% als Anteil der Feuerbestattungen angegeben. Der Anteil von anonymen Urnenbegräbnissen stieg von 1976 1,2% auf 35% 1994. Für anonyme Urnengemeinschaftsgrabstätten wird statt den 0,25*0,25m von 1976 mittlerweile wieder eine Fläche von 0,4*0,4m veranschlagt.
In dem Gesetz von 1976 waren für städtische Friedhöfe, im Gegensatz für die kirchlichen, für die eine ausgedünnte Version galt, viele Vorschriften aufgenommen, die den Charakter von Ordnungen besaßen. Um dies, nachträglich auch für Gesamtberlin zu bereinigen, trat am 1. Dezember 1995 das letztgültige Gesetz über die landeseigenen und nichtlandeseigenen Friedhöfe Berlins in Kraft.
Berlin besitzt derzeit, trotz des hohen Anteils an Kremierungen, nur fünf Columbarien. Eines, unabhängig von einem Krematorium errichtet, steht auf dem Friedhof Schöneberg III an der Stubenrauchstraße 43-45. Nach einem Entwurf des Architekten Scherler wurde es 1916-18 erbaut. Der langgestreckte Backsteinbau öffnet sich in Flachbogenarkaden zum Friedhof hin. Die Urnen stehen sowohl im oberen, ins Freie offenen, als auch im unterem Geschoß unter dem hervorgehobenen Mittelteil. Weitere Columbarien befinden sich am Krematorium Wedding in der Gerichtstraße, am Krematorium Ruhleben in der Straße Am Hain, auf den Friedhöfen Eythstraße Schöneberg und Gottlieb Dunkel Straße Tempelhof. Gegenüber der guten Annahme der Kremierung überhaupt, kann dies bei der Akzeptanz der Bestattung im Columbarium nicht behauptet werden.

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oben: Haus in der Christinenstraße mit der Aufschrift "Beerdigungsinstitut"
unten: Columbarium Stubenrauchstraße
Hier hat die Stadt einen Überschuß an Flächen. So besitzt das Tempelhofer Columbarium, typisch auch für die anderen, derzeit noch 3.689 freie Plätze, von denen jährlich 170 vergeben werden.
Die Art der Beerdigung und des Grabes sind ausschlaggebend für die zu erstattenden Gebühren, über die sich die Friedhöfe nur kostendeckend tragen dürfen, womit ein konkurrierendes Verhalten ausgeschlossen ist. Bei der Erdbestattung wird in einfache, besondere und bevorzugte Lage der Sondergrabstätten (Einzelgrab) und in Reihengrabstätten unterschieden. Für die Feuerbestattung existieren Sondergrabstätten als Wand- oder Erdgrab, Reihengrabstätten und die anonymen Urnen- und Aschengemeinschaftsgrabstätten. Eine Erdsondergrabstatt in bevorzugter Lage kostete 1995 245,00DM je Jahr, ein Erdreihengrab 15,00DM, eine Urnensondergrabstatt 53,00DM, ein Urnenreihengrab 11,50DM. Die Staffelung der Gebühren hat ihren Ursprung in dem Wert, den man 1934 teilweise aus politischen und ökonomischen Gründen den einzelnen Bestattungsarten beimaß. Seitdem wurden alle Gebühren gleichzeitig prozentual den gehobenen Kosten angepaßt, wenn dies notwendig schien, ohne eine wirklich für jede Bestattungsart spezifische, kostendeckende Gebühr zu haben. Die preisliche Bevorzugung von Gemeinschaftsgrabstätten oder der Feuerbestattung, wäre aus der heutigen Sicht so tendenziell nicht notwendig.
Die Kremierungsgebühren liegen derzeit bei 377,00DM.

Haftanstalt
Als Gefängnisse wurden längere Zeit die Untergeschosse des Fichtebunkers und der gesamte Hochbunker in der Friedrich Karl Straße in Tempelhof genutzt. Letzterer diente als Polizeigefängnis, während im Bunker Fichtestraße erst ein Untersuchungsgefängnis und später eine Jugendarrestanstalt untergebracht waren.
Im Bunker Albrechtstraße wurden eine Zeitlang NKWD-Häftlinge interniert.

Hotel
In vielen Städten Deutschlands wurde diese Nutzung durch Ausfall teilweise sämtlicher Hotels und Gaststätten wegen Zerstörung oder Verwendung für höhere Zwecke notwendig. Dabei gab es diese Einrichtungen in der breiten Palette vom Altersheim, über Obdachlosen-, Flüchtlingsasyl oder Pension bis zum Stundenhotel. In Berlin existierten mindestens drei - in den Gasometern in Kreuzberg an der Fichtestraße, in Wedding an der Sellerstraße und im Hochbunker an der Eiswaldtstraße in Lankwitz. In Stuttgart befand sich ein Hotel sogar im Tiefbunker unter dem Marktplatz.

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Bunkerhotel Braunschweig oben: Perspektive
mitte: Normalgeschoß unten: Schnitt
Der Architekt Heinrich Leppla lieferte den Entwurf für die Umnutzung eines viergeschossigen Hochbunkers in der Stadtmitte Braunschweigs (Neue Bauwelt Heft 3/1948). Nachdem dieser Bunker, früher zwischen gleichhohen Gebäuden an einer schmalen Straße versteckt, nach Niederlegung der Ruinen frei im Raume stand, war er nicht nur städtebaulich, sondern auch im Innern zu beleben. Längere Aufenthalte im provisorischen Hotel hatten unangenehm und beengend gewirkt. Die Gäste des Bunkerhotels Stuttgart wurden an der Rezeption nach möglichen Anfällen von Klaustrophobie befragt.
Für den Hochbunker in der Pallasstraße (Tagesspiegel 03.04.1995) und den Bunker unter dem Steglitzer Kreisel (Tagesspiegel 03.04.1995) war die Unterbringung von Obdachlosen vorgesehen, die aber in beiden Fällen daran scheiterte, daß ein dafür notwendiger Umbau nicht gestattet wurde.

Krankenhaus
Im Flakbunker am Bahnhof Zoo befand sich nach vorgenommenen Veränderungen und Umbauten mit 380 Betten die Seuchen-Abteilung des Robert-Koch-Krankenhauses. Die Kapazität sollte auf 500 Betten gesteigert werden. Im Erdgeschoss neben dem Eingang lag die Rettungsstation. Schwere Fälle wurden per Aufzug in die Chirurgische Station gefahren.
Die chirurgische Station mit komplett moderner Krankenhauseinrichtung - Laboratorien, Röntgenabteilung und große gekachelte Operationssäle - wurde, wie auch Wirtschaftsräume und die Küche mit drei riesigen Kesseln für 1.000 Mahlzeiten, weitergenutzt. Ebenso diente während des Krieges der Hochbunker am Anhalter Bahnhof als Kriegslazarett.
In der zweiten und vierten Etage des ehemaligen Flakturmes befand sich die Typhus- und Ruhr-Station, im obersten Stock ein Hospital für alte, gebrechliche Leute mit Aufenthaltsräumen, warmen Zimmern und ärztlicher Pflege. Auf dem flachen Dach des Turmes sollte neben den noch nicht abgebauten Geschützen eine Liegeterrasse entstehen und Frischgemüse kultiviert werden. Vieles an der Einrichtung im Zoobunker wurde als "noch nicht ideal" eingeschätzt, besonders der Mangel an Außenfenstern beklagt. Die Aufenthaltsräume und Zimmer des Pflegeheims wurden als "freundlich" beurteilt (Der Kurier 13.03.1946). Die Nutzung als Krankenhaus war auch im Flakbunker im Friedrichshain vorgesehen und entsprechende Einrichtung auch angeliefert worden (Der Kurier 13.03.1946). Unter dem Aspekt des Ausbaues von ABC-Schutzanlagen wurde im Hochbunker Zum Heckeshorn in Zehlendorf ein geschütztes Krankenhaus neu eingerichtet, das aber keine alltägliche Nutzung erfahren sollte (Der Abend 23. 1. 1979).

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Bunkerhotel Braunschweig oben: Photos des Rohbaues
unten: Erdgeschoßplan
Kulturzentrum
Diese Nutzung ist erst eine Entwicklung unserer heutigen, "späten" Nachkriegszeit. Kulturzentren nicht nur als Jugendzentrum waren für den Bunker Pallasstraße, Fichtestraße und den Tiefbunker unter dem Alexanderplatz vorgesehen. Der Tiefbunker Alexanderplatz sollte ein Café mit verglaster Aussicht auf den U-Bahnhof, Galerien, Proberäume, Billiard-, Dartstuben und Diskotheken aufnehmen. In den Bunker Friedrich Karl Straße plante man, eine Turnhalle einzubauen, was an den Kosten des Umbaues scheiterte.
Im Fichtebunker wollte man die Vorstellung von einem "Verbundsystem stadtteilorientierter Eigeninitiativen, öffentlicher Sozialstaatsleistungen und kommerzieller Randbereiche" verwirklichen. Die Grundgedanken, auf die sich die Studie der Architekten Frohwein und Spangenberg dabei stützte, entstammten der damaligen Kulturdiskussion (einige sind exemplarisch in den Dokumenten zitiert). In fünf unterschiedlichen Varianten sah man Räume verschiedener Größe für Video- und Audio-Studios, Übungs- und Seminarräume, Werkstatt- und Technikflächen und die Kuppel als Raum für Theater oder Panoramen vor. Die Räume bildeten dabei Teile der fünf Segmente, während Studios teilweise die ganze Fläche vom Kern bis zu den Treppenhäusern im äußeren Ring einnahmen.
Ein erfolgreiches Projekt wird durch die Gesellschaft für Kunst und Technologie e.V. seit 1992 im Hochbunker in der Albrechtstraße betrieben. Das Gebäude mit Grundstück, das auch zu kaufen beabsichtigt wird, wurde gemietet. Weitere Veranstalter können für ihre Projekte Flächen des Bunkers zeitweise nutzen, soweit ihre Ideen in das "Konzept" eines Kunstbunkers integrierbar sind. Kleinere Räume des 2. und 3.Obergeschosses, die über das Treppenhaus an der Reinhardtstraße erschlossen werden, sind an einzelne Musiker oder Musikgruppen als Übungsräume abgegeben.

Kunstbunker
1935, lange vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, hatte Otto Kümmel, Generaldirektor der Berliner Museen, den Bau eines Kunstbunkers vorgeschlagen. Als Alternative dazu stand eine "Risikoverteilung" durch Evakuierung der Kunstschätze der Berliner Museen in das Umland. Ende des Jahres 1938 untersuchte man, in Bezug auf die Verlautbarung des Präsidenten vom 24.September 1938 - B.L.400/38 - und den Erlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 20.September 1938 - V.d.Nr.2298K.(b), die Möglichkeit, unter den Kolkgewölben des Pergamonmuseums einen Bunker einzubauen. Im Februar 1939 gab es zwar die erste Stellungnahme dazu, aber realisiert werden konnte das Vorhaben scheinbar nicht (Landesarchiv Berlin Pr.Br.Rep.42 Acc.2000).
Da für den Bau eines speziellen Bunkerbauwerkes in nächster Nähe Berlins kein Geld vorhanden war, wurden bombensichere Lagerstätten in den Berliner Flakbunkern bereitgestellt.

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Ästhetik ihrer Zeit oben: Schleusenprojekt Paul Bonatz
unten: Staudammprojekt Max und Bruno Taut
Als sicherste galt der von 1940 bis 1942 im Friedrichshain gebaute. Kurz vor Kriegsende wurde ein Teil der Kunstwerke in Thüringer Salzbergwerke ausgelagert. Etwa 5.000 Werke, darunter Gemälde von Rubens und Tintoretto blieben; außerdem Exponate der amerikanischen, archäologischen, der ägyptischen und der islamischen Sammlung. Diese wurden, am 02.05.1945 unversehrt übergeben, drei Tage später Opfer eines verheerenden Brandes, der einen riesigen Berg Brandschutt hinterließ. Darin befanden sich noch Objekte aus Glas, Stein und Bronze. Ob dieses Feuer der Vertuschung von Kunstdiebstahl diente, blieb Gerücht, da ein Gegenteil nicht bewiesen wurde. 1946 sprengte man auch diesen Flakturm (Die Welt 26.06.1993).
Vor den Flakbunkern hatten andere Räumlichkeiten für Bergungsmaßnahmen vor Luftangriffen herhalten müssen: die Tresorräume des (noch unfertigen) Neubaues der Reichsmünze mit 1.050m2 am Molkenmarkt, der Tresor der Preußischen Staatsbank am Gendarmenmarkt - sogenannte Seehandlung - (wurde jedoch nur in geringem Umfang von einzelnen Abteilungen genutzt) und die Krypta des Berliner Doms (für Möbel des Kunstgewerbemuseums). Der Tieftresor der Reichsmünze war ursprünglich als Notbehelf gedacht, wurde aber, nach dem sich alle Baumaßnahmen verzögerten, von fast allen Abteilungen als wichtigster Bergungsort bis zur Errichtung der Flaktürme benutzt. Gutachten zur Brand- und Wassersicherheit hatten zuvor noch die Unsicherheit der Kuratoren ausräumen müssen. In den Flaktürmen waren am Bahnhof Zoo 1.500m2, im Friedrichshain 735m2 für das Lagern der Kunstschätze freigehalten worden. Ab Herbst 1941 erfolgte die Umlagerung eines großen und wertvollsten Teiles aus den Tresorräumen der Neuen Münze, aus dem Tresor der Preußischen Staatsbank und aus den Museumskellern in die Flaktürme. Beginn der Einlagerung im Flakturm Zoo war der 29. September 1941, im Flakturm Friedrichshain erst der 11. Januar 1942. Teile des Pergamon-Altares waren schon im August in den Flakturm Zoo gebracht worden.
Die ersten Abtransporte nach Grasleben bei Helmstedt begannen am 6. Juni 1944. Nach insgesamt 20 Transporten verließ der letzte am 19. November 1944 Berlin. Am 8. März 1945 erließ Hitler, nachdem das Erziehungsministerium mehrfach gedrängt worden war, (der Minister wagte keinen Befehl zu erteilen) den Befehl zur schleunigen Sicherung der Kunstschätze außerhalb Berlins. Der daraufhin erste Transport verläßt am 11. März 1945 den Friedrichshain. Insgesamt 10 Transporte aus beiden Flaktürmen werden es dann noch bis 7. April 1945 (Irene Kühnel-Kunze; Bergung - Evakuierung - Rückführung. Die Berliner Museen in den Jahren 1939 - 1959; Berlin 1984).

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Systematik der Zeit: verbunkertes Kraftwerk der A.E.G.
Tonstudio
Nebeneinanderliegende Studios der U- und E-Musik bedeuten laute und leise Schallquellen, die sich gegenseitig nicht beeinflussen dürfen. Entsprechend aufwendig ist es auch, die bautechnischen Voraussetzungen zu schaffen, soweit nicht massive Decken und Wände schon den größten Teil an Geräusch aufnehmen: Den Rest übernehmen mit Blei ausgegossene Biegeschalen. Installationsschächte werden mit Quarzsand aufgefüllt. Die bisher üblich gewesenen Bandmaschinen werden durch Computerfestplatten im Gigabytebereich ersetzt, was Stereoaufnahmen mit einer Länge von über fünf Stunden ermöglicht. Diese und die weitere Technik benötigt einen entsprechenden Installationsaufwand an Verbindungen und Klimatisierung der Räume, der sich beim Umbau eines Bunkers nur durch das Interesse an der Nutzung des Gebäudes selbst, oder dem möglicherweise sinkenden Aufwand an Schallisolierung rechtfertigen läßt.

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